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Saison-Rückblick: Prädikats-Leistungen und verpasste Chancen
Von Dr. Peter Schütze
Gäbe es Schulnoten für die Golf-Saison 2010, so stünde nach dem Urteil von Experten aus dem eigenen Lager für die Erwachsenen-Mannschaften des Dortmunder Golfclubs nur eine Drei auf der Score-Karte. Über „Befriedigend“ hinaus geht außer der Dominanz bei den Stadtmeisterschaften noch das Abschneiden der DMM-Mannschaften, von denen die Herren im Krimi-Finale dem übermächtigen Kölner GLC unterlagen und die Damen weit über dem Ziel Klassenverbleib in der Regionalliga blieben. Auch der Aufstieg des Jungseniorinnen-Teams in die 2. NRW-Liga und die gute Rolle der als Gruppen-Zweiter am Aufstieg in die 1. Liga gescheiterten Seniorinnen sind mehr als gehobener Durchschnitt. Doch die Auftritte des Schniewind-Teams und die Leistungen bei den Clubmeisterschaften stoßen bei kompetenten Köpfen wie Head-Pro Ludger Theeuwen und Paradespieler David Smolin auf deutliche Kritik.
Das Positive zuerst: Ungeachtet der 5:7-Niederlage gegen Köln war das Aufstiegsspiel zur 2. Liga im Haus Leythe für die DMM-Truppe des DGC ein Highlight der Saison; denn die Dortmunder lieferten der drittbesten Mannschaft in NRW einen unerwarteten Zweikampf auf Augenhöhe, verspielten erst auf den letzten Bahnen einen möglichen Sieg und damit eine ausgemachte Sensation. „Da hat die Mannschaft Klasse bewiesen“, hielt Cheftrainer Theeuwen mit Komplimenten nicht zurück.
Lob verdienten sich die Spieler(innen) von der Reichsmark auch bei den Stadtmeisterschaften, die sie mit drei Titeln – nur das Championat der Seniorinnen ging an Castrops Dorothea Mosgalik – und einem Dutzend Platzierungen unter den ersten Fünf in den vier Wettbewerben klar dominierten. David Smolin mit einer 68er-Runde auf heimischem Kurs, Ilka Wolfs vierter Titelgewinn in direkter Folge und Wolfgang Horsthemkes Triumph über Favorit Dr. Horst Brenner setzten besondere Akzente.
Diese blieben im Schniewind-Wettbewerb aus. Nach einem Tagessieg (auf eigenem Platz), drei 2. Plätzen, einem 4. und einem fünften Rang in der Tageswertung reichte es an Ende nur zum vierten Platz, freilich mit lediglich einem Drittel Schlag hinter Wasserburg-Anholt. „In dieser Saison hat die Mannschaft eine große Chance zum Aufstieg in die 1. Schniewind-Liga verpasst“, sind sich Theeuwen und Smolin einig. Beide bleiben auch die Begründung für ihre Kritik nicht schuldig. Der Cheftrainer stellt fest: „Man muss verlangen können, dass von acht Spielern in der Mannschaft fünf ihr Handicap spielen. Das ist leider nicht geschehen, sonst wären wir locker zum Gruppensieg marschiert.“
David Smolin, ambitionierter und selbstkritischer Geist im Team, macht seine Einwände an dem Beispiel des Saison-Auftakts im Teutoburger Wald fest: „Da haben wir mit 68 über CR-Wert einen ausgesprochenen Fehlstart hingelegt, offensichtlich weil einige Spieler unzureichend auf Kurs und Spiel in Halle vorbereitet waren - (Einwurf Theeuwen: „Auf diesem Platz absolut tödlich!“). Eigentlich habe es keinen Spieltag gegeben, der okay gewesen sei. Es habe durchgehend an Leistungskonstanz gefehlt, wobei er sich selbst davon auch nicht ausnehmen wolle. Smolin forderte für die kommende Saison mehr individuelle Disziplin und konzentrierten Einsatz für Training und Spiel-Vorbereitung ein, stellte jedoch zugleich klar: Menschlich seien alle in der Mannschaft Supertypen, es mache Spaß, in ihr zu spielen. „Aber gerade deshalb ist es schade, dass wir unsere spielerischen Möglichkeiten nicht optimal umsetzen.“
Captain F.F. Marx kann mit dem Abschneiden der DGC-Schniewinder „mit Ausnahme des Einbruchs in Halle“ durchaus leben. „Immer Bestform zu bringen, also stets Handicap zu spielen, kann man nur von Profis verlangen. Wir aber sind Amateure reinsten Wassers, in Beruf, Ausbildung, Familie und Partnerschaft gefordert.“
Die Perspektiven für die nähere und mittlere Zukunft sehen Marx, Smolin und Theeuwen indes überaus positiv. Ihr Optimismus gründet sich auf den zahlreich und stark nach vorn drängenden Nachwuchs, der sich 2010 für die Jugend-Regionalliga qualifiziert hat. Theeuwen wagt sogar die Prognose: „Bei kontinuierlicher Entwicklung kann die Mannschaft, die jetzt unter den besten acht Teams in NRW steht, in ein paar Jahren im Schniewind-Wettbewerb ganz oben mitspielen.“
Der Head-Pro will die talentiertesten Spieler aus dieser Jugend-Truppe schon in der kommenden Saison behutsam an die DMM- und Schniewindmannschaft heranführen, David Smolin sie dort „an der Hand nehmen, damit wir an den unteren Positionen stärker werden.“
Der hoch qualifizierte Nachwuchs bei den Jungen fehlt der Damen-Abteilung von Zahl und Qualität. „In diesem Bereich brauchen wir Zeit und viel Geduld“, sagt Theeuwen. „In der Gruppe der 9- und 10jährigen Mädchen haben wir jetzt ein gutes Dutzend Spielerinnen, aber bis einige von ihnen den Leistungsansprüchen der Damen-Mannschaft genügen, werden vier bis fünf Jahre Aufbauarbeit vergehen.“
Insofern bleibt zunächst das Reservoir des DDM-Teams gering. Umso höher ist dessen Erfolg beim Durchgang in Marienfeld zu bewerten. „Wir wollten nur den Klassenverbleib sichern, fanden uns dann aber nach dem ersten Tag als Zweiter sogar in der Aufstiegsrunde wieder“, erinnert Andrea Marx an schöne Tage im Mai. Dass die Dortmunderinnen dann im Aufstiegsspiel die erste Niederlage gegen Hannover überhaupt erlitten, war leicht zu verschmerzen, das Ziel war schon vorher übererfüllt. Das ist auch Maßstab für 2011, für das Andrea Marx auf den Einsatz von Anna Gehlen-Volbert und der aus den USA zurückgekehrten Constanze Weber hofft.
